Mord in deutschen Wohnzimmern – ein Tapetenkrimi Teil 1

Die Langeweile ist tot! Tapete unter Verdacht!

Das Tapetenkrimi-Team

 

Vorstellung von Anne May und Pete Krüger durch den Assistenten Mario

Pete Krüger saß gerade an seinem Schreibtisch, starrte die Wand gegenüber an, die von einer tropisch anmutenden Designtapete geziert wurde, und nippte an seinem Kaffee, als er in seinem Vorzimmer Stimmen hörte. Der Inneneinrichter schaffte es gerade noch, die Tasse mit dem heißen Kaffee, den er prinzipiell schwarz trank, wieder abzustellen, bevor die Tür zu seinem Büro aufflog und eine junge Frau hereinstürzte. Dicht gefolgt von Krügers Assistent Mario. „Sie können doch nicht einfach so hereinplatzen“, schimpfte Mario, aber sein Chef unterbrach ihn. „Ist schon okay“, sagte er. „Darf ich vorstellen? Das ist Anne May.“ Mario machte große Augen und betrachtete die Frau näher, die immer noch ganz außer Atem schien. „Sie sind Anne May? Trendsetterin, Style-Ikone?“ Die Frau zuckte bescheiden mit den Schultern und schenkte dem jungen Mann ein Lächeln. „Das wäre dann alles, Mario“, sagte Krüger. Sein Assistent verstand sofort, verließ das Büro und schloss die Tür hinter sich. Krüger konnte sich regelrecht vorstellen, wie er nun hinter der Tür stand und das Ohr an das Holz presste, um herauszufinden, was sein Chef und Anne May zu besprechen hatten.

 

Diskussion zwischen Anne May und Pete Krüger über "die Langeweile in deutschen Wohnzimmern"„Du wirst es nicht glauben“, platzte die junge Frau nun, da sie endlich
mit Krüger allein war, heraus. „Die Langeweile in deutschen Wohn-
zimmern – sie ist tot!“’ Krüger lachte auf, das konnte nur ein Scherz sein. „Pete, ich mache keine Witze!“ Krüger sah May in die Augen. In ihnen lag keine Spur von Humor. „Aber sie kann doch nicht so einfach tot sein!“, sagte der Inneneinrichter. „Es gab sie seit Jahrhunderten. Sie war ein zähes Biest. Ehrlich gesagt hielt ich sie für unsterblich!“ „Tja, so kann man sich irren“, gab May zurück. „Bist du sicher, dass sie nicht nur krank ist, sondern tot?“ „Tot und begraben.“ „Unfassbar“, keuchte Krüger. „Das muss ich erst einmal verdauen.“ Er steckte sich eine E-Zigarette an und sah versonnen aus dem Fenster. Nachdem er ein paar Mal tief durchgeatmet hatte, drehte sich Krüger wieder zu May herum. „Und was machen wir jetzt?“, fragte er. Das war die Frage, auf die Anne May gewartet hatte. „Wir sind Trendscouts“, sagte sie. „Wir tun, was wir immer tun. Wir finden heraus, was Sache ist. Wir ermitteln.“ Krüger nickte. „Wir werden Verstärkung brauchen“, sagte er.

 

Polaroids des vierköpfigen ErmittlerteamsKeine halbe Stunde später hatte sich in Krügers Büro ein vier-
köpfiges Team zusammengefunden. Inneneinrichter Pete Krüger, Style-Expertin Anne May, Wohn-Blogger Pavel Hartmann und – als Vertreterin trendbewusster Normalbürger – Nina Anders saßen um Krügers Tisch und hörten ihm gespannt zu, als er ihnen den Stand der Dinge mitteilte. „Ich schlage vor, dass wir uns aufteilen“, sagte Anne May. „So kommen wir am Schnellsten weiter.“ Nina, Pavel, ihr schaut euch in so vielen Wohnungen und Häusern wie möglich um und sucht nach Spuren, was für diese neue Situation verantwortlich sein könnte. Ich mache mich auf den Weg und spreche mit so vielen Menschen wie möglich. Vielleicht hat ja jemand etwas mitbekommen, das uns weiterbringt. Und du, Pete, könntest vielleicht unterdessen in der Presse und online recherchieren.“ Alle nickten – und sogleich machte sich das Team auf den Weg. Nur Pete Krüger blieb in seinem Büro zurück und öffnete das Browser-
fenster an seinem Computer.

 

Raumbild – Esprit 10Am Abend fand sich das ganze Team wieder in Krügers Büro zusammen. „Okay“, sagte Krüger, als alle sich gesetzt hatten.
„Was habt ihr herausgefunden?“ „Wir haben uns zahllose Häuser angesehen“, begann Nina Anders. „Und überall bot sich uns ein ähnliches Bild. Ob Wohn- oder Esszimmer, ob Küche oder Kinder-
zimmer: In deutschen Häusern stehen keine angestaubten Schrankwände mehr, langweilige Rauhfasertapeten sind längst verschwunden. Kein Wunder, dass die Langeweile gestorben ist!“
„Stimmt“, ergänzte Pavel Hartmann. „Wohin man auch schaut, überall sieht man, dass sich die Leute richtig Gedanken gemacht haben. Natürlich werten schöne Raumkonzepte und tolle Dekogegenstände und Pflanzen Wohnräume massiv auf. Die Langeweile hatte keine Chance!“ „Aber wer hat ihr den Rest gegeben?“, fragte Krüger. „Also ich kann nur das unterstreichen, was Nina und Pavel gesagt haben“, schaltete sich Anne May ein. „Die Langeweile hatte keine Chance. Für mich kristallisieren sich als Hauptverdächtige drei besonders clevere Schurken heraus: schicke Möbel, Dekogegenstände – und Tapeten.“ Krüger nickte versonnen. Das deckte sich mit dem, was er selbst in der Zwischenzeit in Erfahrung gebracht hatte.

 

Pete Krüger will seinen Assistenten Mario beim Lauschen auf frischer Tat ertappen I„Wenn ihr tippen müsstet, wer der Hauptschuldige ist“, sagte Nina Anders, „Wer wäre euer Favorit?“ „Vielleicht sind es die Möbel“,
sagte Pavel. „Ich weiß nicht“, meinte Anne. „All die hübschen Dekogegenstände, mit denen mittlerweile allerorten gestaltet wird, könnten ebenso Schuld sein. Nina, was meinst du?“ Bevor Nina Anders antworten konnte, hob Krüger die Hand, um die Anwesenden zum Schweigen zu bringen. Dann erhob er sich, schlich auf Zehen-
spitzen Richtung Tür und riss sie mit einem Ruck auf. Sein Assistent Mario, der offensichtlich gelauscht hatte, fiel in den Raum. „Wenn Sie ohnehin zuhören, dann können Sie uns auch ihre Meinung sagen“, meinte Krüger und gab sich alle Mühe, das Lachen Pete Krüger will seinen Assistenten Mario beim Lauschen auf frischer Tat ertappen IIzu unterdrücken. „Bitte, setzen Sie sich“, sagte er und zeigte auf den letzten freien Stuhl. „Meine Meinung?“, fragte Mario, als er sich gesetzt hatte. „Meiner Meinung nach waren es die Tapeten.“

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