Überstreichbare Tapeten beziehen ihre Ausdruckskraft ganz aus dem Spiel mit Licht und Schatten.
Solche, wie die Norm sagt, „Wandbekleidungen für die nachträgliche Behandlung“ können aus unterschiedlichen Materialien bestehen: aus Papier, strukturiertem Kunststoff, Glas- oder Textilfaser. Im einfachsten Fall sind sie aus ein- oder zweilagigem, geprägtem, weißem Papier und heißen Simplex- bzw. Duplex-Prägetapeten. Heute zählen die praktischen Struktur-Vliestapeten zu den gebräuchlichsten, überstreichbaren Wandbelägen. Auch Glasgewebe und Raufaser werden immer mehr von strukturierten Vliestapeten verdrängt.
Verarbeitungsfreundlichkeit und Vielfalt haben zum Durchbruch moderner Struktur-Vliestapeten beigetragen. Neben organischen Textilreliefs und einfachen Rauputzimitaten hat tapetenshop.de auch trendige Retro-Effekte oder Neo-Pop-Art-Dessins zu bieten.
Untergrund
Überstreichbare Vliestapeten sind echte Problemlöser. Sie werden gern zur Sanierung kritischer, ungleichmäßiger Untergründe wie Trockenbauplatten, Mischuntergründen oder schlecht entfernbaren Wandbelägen verwendet.
Von Vorteil bei Vliestapeten ist, dass sie kleinere Schwund- und Netzrisse dauerhaft kaschieren, weiche Untergründe stoß- und druckresistenter machen und zudem meist schwer entflammbar nach DIN 4102 B1 sind.
Natürlich benötigen auch überstreichbare Struktur-Vliestapeten einen tragfähigen, trockenen und staubfreien Untergrund. Der Spachtelaufwand ist jedoch weit geringer als bei Papiertapeten und kleine Unebenheiten werden kaschiert. Vor allem die etwas plastischeren Dessins egalisieren gut Untergrundstörungen. Bei kritischen Untergründen prüft man an die Eignung der Materialien durch Probeverklebung.
Klebetechnik
Strukturierte Vlieswandbeläge lassen sich wie bedruckte Vliestapeten mit dem Tapeziergerät eingekleistert oder in Wandklebetechnik verarbeiten. Sie sind ausgesprochen dimensionsstabil. Das heißt es gibt kein Nachschrumpfen durch Trocknungsspannung, kein Durchweichen der Bahn und das Vlies reißt beim Kleben nicht ein, so dass problemlos auch schwierige Bereiche saniert werden können.
Für einfache Untergründe wie glatte Putz- und Gipskartonflächen wird Vlies mit z.B. A.S. - Universalkleister verklebt. Bei schwierigen Vorgaben wie einem nichtsaugenden Altanstrich oder glatten Kunststoffen kommt ein fertiger Dispersionskleber mit hoher Anfangsklebekraft zum Einsatz. In der Wandklebetechnik wird der Kleister mit Hilfe einer Kleisterwalze in gleichmäßiger Dicke auf die Fläche aufgerollt. Üblich ist bei einfachen Untergründen eine Kleistermenge von ca. 250 g/m2.
Die einzelnen Bahnen schneidet man sich am besten auf Länge zu. Sie werden ohne Weichzeiten ins Klebemittel eingelegt und auf Stoß geklebt. Mit einer Moosgummiwalze lässt sich die Vliesbahn einfach und blasenfrei von der Mitte nach außen anrollen. Bei hochstehenden Nähten hilft der konische Tapeten-Nahtroller.
Überstände an Decke und Sockel schneidet man schnell und sauber mit Dreiecksschiene und Cuttermesser. Innenecken werden zunächst umklebt und dann entlang eines Andrückspachtels auf Spachtelstärke gekürzt.
In Innenecken dürfen sich die Vliesbahnen 2-4 Millimeter überlappen. An Außenkanten hingegen umklappt man das Vlies mindestens handbreit und schneidet mit dem Gleitfußmesser im Doppelschnitt. So wird ein Anschneiden des Untergrundes vermieden und die Naht bleibt weitgehend unsichtbar.
Fußleisten, Türrahmen und Laibungen beschneidet man wie gehabt mit dem Kunststoffspachtel oder mit Hilfe von Schneidelineal und Cuttermesser.
Hinter Heizkörpern wird grundsätzlich nicht tapeziert. Bei Fensterlaibungen geht man nach bewährter Methode vor: Die erste Bahn lässt man soweit zum Fenster hin überstehen, dass die Fensterlaibung ausreichend abgedeckt wird. An der Kante der oberen Laibung wird der Überstand mit dem Cuttermesser exakt eingeschnitten. Dann schneidet man die Vliesbahn in Verlängerung der Laibungsecke senkrecht ab und setzt die nächste Bahn oberhalb des Fensters auf Stoß an. Zu guter Letzt werden die Überstände der Fensterlaibung mit Andrückspachtel und Cuttermesser abgeschnitten.
Beschichten
Gestalterisch tritt die plastische Wirkung des Strukturbildes dann am deutlichsten hervor, wenn mit einer hellen, feindispersen Farbe, die wenig füllt, beschichtet wird. Dunkle und matte Farben dagegen verhüllen und schwächen das Muster in seiner optischen Wirkung. Auch sollte auf preiswerte „Füllfarben“ verzichtet werden, sie zeigen nach dem Trocknen eine störende Rollstruktur. Ohnehin ist der Farbverbrauch auf Vlies relativ gering. Hier zu sparen lohnt sich also nicht wirklich.
Vlies-Strukturtapeten können mit den meisten handelsüblichen Dispersions- oder Acrylfarben gestrichen werden. Dies war nicht immer so: Bei den ersten überstreichbaren Strukturtapeten kam es manchmal zur Weichmacherwanderung, das heißt die beschichtete Oberfläche wurde nach einigen Wochen klebrig oder vergilbte. Diese Kinderkrankheiten sind heute bei qualitätsvollen Sorten, die das RAL-Gütezeichen tragen, gelöst. Hier verzichten die Hersteller ganz auf leicht flüchtige Weichmacher. Tritt dieses Problem jedoch beim Renovieren alter Strukturbeläge auf, sollte man sie restlos entfernen und durch moderne, qualitätsvolle ersetzen.